Meinung zum 85. Jahrestag des Überfalls Nazideutschland auf die Sowjetunion

15.​06.​2026

In der heutigen Zeit erfolgt in beträchtlichen Ausmaß eine Umdeutung, Negierung und Verfälschung geschichtlicher Ereignisse. Es gibt wieder Stimmen, die den Sieg der alliierten Kräfte über Nazideutschland nicht als Befreiung sondern als Niederlage und Schmach verstehen.  Die Schuld an Krieg und Niederlage wird auf Hitlers Fehlentscheidungen beschränkt. Der Holocaust wird negiert, die deutsche Wehrmacht verherrlicht und der  antifaschistische Widerstand in Deutschland wird  auf Aktivitäten aus der Wehrmacht um Graf von Stauffenberg beschränkt. 

Diesen Geschichtsverfälschungen muss man entschieden entgegentreten und Wahrheiten immer wieder verdeutlichen:

  • 1932/33 warnte alleinig die KPD vor der Gefahr der Naziherrschaft mit der Losung „ Wer Hindenburg wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt Krieg“. Leider ist es genauso gekommen. 

  • Nazideutschland hat den 2. Weltkrieg im September 1939 begonnen, große Teile Europas annektiert und am 22.06.1941 auch die Sowjetunion überfallen. 

  • Nazideutschland hat den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion von 1939 bewusst gebrochen, er wurde zur Makulatur. Eine Bedrohung von  sowjetischer Seite in Richtung Deutschland und Westeuropa hat es nicht gegeben. 

  • Unter der Nazipropaganda gegen das bolschewistische Ungeheuer stimmte ein Großteil des deutschen Volkes dem Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen Europa und der Sowjetunion zu. Mit Unterstützung durch das deutsche Industrie- und Finanzkapital wurde der Krieg von Wehrmacht und Waffen-SS  geführt. Nazideutschland bekam durch Staaten wie Finnland, Italien, Rumänien, Spanien und Ungarn Unterstützung, aber auch durch freiwillige Kontingente aus den Baltenrepubliken und der Ukraine. 

  • Widerstand gegen das Naziregime ging in Deutschland in den 30-iger Jahren nur von Kommunisten und Sozialdemokraten aus, die konsequent verfolgt, gefoltert und ermordet wurden und somit in der Öffentlichkeit fast wirkungslos blieben. Der konspirative  Widerstand beschränkte sich auf Einzelaktionen und nachrichtendienstliche Tätigkeiten. 

  • Der Angriffskrieg brachte 27 Millionen Sowjetbürgern den Tod, 1.700 Städte  und 70.000 Dörfer wurden den Erdboden gleichgemacht. Kein anderes Land hatte einen derartigen Blutzoll zu erleiden. 

  • Für die Sowjetunion wurde der Kampf gegen Nazideutschland zum Großen Vaterländischen Krieg“ an dem sich über 100 Nationalitäten und Völkerschaften der Sowjetunion beteiligten. 

  • Der geplante deutsche Blitzkrieg gegen die Sowjetunion stoppte im Winter 1941 vor den Toren Moskaus. Die Kriegswende wurde im Winter 1942/43 bei den Kämpfen  um Stalingrad und im Juli 1943 bei Kursk eingeleitet. 

  • Erst nach den ersten militärischen Niederlagen und dem Scheitern des Russlandfeldzuges gab es auch Widerstände in der deutschen Wehrmacht gegen Hitler, dem die Schuld an den Niederlagen zugeschrieben wurde. Aber dieser Widerstand, auch der von der Gruppe um Graf von Stauffenberg, war bei weitem kein Widerstand gegen das nationalsozialistische, völkerbeherrschende System sondern vor allem nur gegen Hitler. 

  • Die völlige Zerschlagung des deutschen nazistischen Systems wurde das Ziel der Roten Armee. In verlustreichen Kämpfen schritt die Rote Armee stetig in Richtung Westen vor. 

  • Erst als absehbar wurde und die Angst umging, dass die Rote Armee ganz Europa von der Naziherrschaft erlösen wird, wurde  im Juni 1944 durch die USA und Großbritannien die Westfront in Frankreich eröffnet. Sehr spät, aber sicherlich hilfreich für den schnelleren Sieg über Nazideutschland. 

  • Fakt bleibt aber, dass ohne die Sowjetunion und deren Roten Armee eine Befreiung Europas und Deutschland niemals stattgefunden hätte. Für diese Befreiungstat gebührt Ihnen für immer Dankbarkeit und Freundschaft mit deren Nachkommen. 

  • Nach dem vollständigen Sieg über Nazideutschland und der deutschen Kapitulation am 08.05.1945 war es internationaler Schwur und Vermächtnis „ Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“. 

  • Die USA, Großbritannien und der Westen sahen allerdings in der Sowjetunion weiterhin den politischen und militärischen Hauptfeind, den es zu bekämpfen galt. Die BRD wurde mit deren Hilfe zielgerichtet unter Verwendung ehemaliger Verantwortungsträger der Nazi-Diktatur zu einem politischen und militärischen Bollwerk gegen den Ostblock aufgebaut. In der DDR dagegen wurden mit Hilfe der Sowjetunion der Antifaschismus  und der Friedensschwur zu Staatsdoktrin. 

  • Der sogenannte kalte Krieg zwischen  Westblock und Ostblock brachte von den 50-iger bis in die 80-iger Jahre Hochrüstung aber auch politische und militärische Vereinbarungen, die zu einen militärstrategischen Gleichgewicht führten und einen heißen Krieg in Europa verhinderten. 

  • Im Rahmen der politischen Wende im Jahr 1990  wurde der politische und militärische Ostblock aufgelöst.  Es herrschte weltweit die Hoffnung auf die Einleitung einer langen Friedens- und Abrüstungsphase in Europa, was sich jedoch sehr bald als Trugschluss heraus stellte.   

  • Der weiter bestehende Westblock gab dem neuen Russland das Versprechen zur Bewahrung des europäischen Friedens und zur Nichtausweitung der NATO in Richtung Russlands.  Dieses Versprechen wurde jedoch seit 1990 schrittweise und bewusst gebrochen. Russland wurde zuerst als schwacher Regionalplayer bezeichnet, nicht ernst genommen und es wurde mit der schrittweisen Ausdehnung des NATO- Einflussgebietes begonnen. Als sich Russland wieder der eigenen Stärken besann und auf eigene Sicherheitsinteressen verwies, wurde es abermals zum politischen und militärischen Hauptfeind erklärt und alle europäischen Bestrebungen die sich gegen Russland richteten wurden unterstützt, so im Baltikum und vor allem in der Ukraine, die gemäß amerikanischer Langzeitstrategen zum entscheidenden Kampffeld gegen Russland werden sollte.  

  • In der Ukraine wurde 2014 mit massiver Hilfe der USA und des Westens eine legitim gewählte Regierung weggeputscht. Nationalistische und teilweise faschistische Leute übernahmen die Macht, riefen Russland zum Hauptfeind aus, wollen eine NATO-Mitgliedschaft und die Stationierung von NATO-Truppen in der Ukraine. Faschistische Traditionen werden hochgehalten und Faschisten wie Bandera zu Helden erklärt. 

  • Russlands Sicherheitsinteressen waren für den Westen nie von Belang. Vorschläge von russischer Seite wurden stets abgelehnt oder es wurde nicht darauf eingegangen. Auch die Minsker-Verträge zur Ukraine wurden vom Westen vor allem als Zeitgewinn für die Aufrüstung der Ukraine verstanden und genutzt. 

  • Russland hat 2022  mit der Begründung ihrer Sicherheitsinteressen und dem Schutz der russischen Bevölkerung einen Angriff auf die Ukraine begonnen. Russland sah diesmal nicht einfach tatenlos zu, es reagierte, in unangemessener Art, auf die vielfältigen Verletzungen des Westens von Verträgen, Versprechen und Zusagen. Dieser Angriff war eindeutig völkerrechtswidrig, aber er hatte seine Ursachen, Vorgeschichten sowie europäische und amerikanische Mitverantwortlichkeiten. Eine Debatte über die Ursachen darf und wird heutzutage in der Öffentlichkeit nicht geführt und Forderungen danach werden im Keim schon als russisch unterstützende Propaganda tituliert. 

  • Unter dem Vorwand des Ukrainekrieges und unter dem selbstdefinierten Siegel von Freiheit und Demokratie erklärt auch Deutschland wieder einmal Russland zum aktuellen Hauptfeind. Ein russischer Angriff ab 2029 wird suggeriert, dafür muss man aufrüsten, kriegstüchtig werden und die Menschen  ideologisch vorbereiten. Man unternimmt keine ernsthaften und substituierte Versuche zu diplomatischen Lösungen und auf Vorschläge und Gesprächsangebote Moskaus wird nicht eingegangen. 

  • Das korrupte, nationalistische ukrainische System, welches deutsche Infrastruktur nachweislich in erheblichen Ausmaß sabotiert hat, welches Faschisten ehrt und das Vermächtnis des „Großen Vaterländischen Krieges“ leugnet wird als Bollwerk im Kampf gegen Russland weiter massiv militärisch aufgerüstet und finanziell unterstützt. Leider scheint im Kampf gegen Russland mittlerweile eine gefährliche politische Geschlossenheit im Bundestag von CDU/CSU, SPD, Grünen und teilweise leider auch der LINKEN vorhanden zu sein. 

  • Warum vergisst man Willy Brandts Mahnung „Ohne Frieden ist Alles nichts“. Das Gebot der Stunde muss aus meiner Sicht sein, mit Russland zu sprechen, mit ihnen zu verhandeln, ihre Sicherheitsinteressen dabei ernst zu nehmen sowie über wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit  sich wieder anzunähern. 

 

Carsten Kopprasch    

 

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