Auszüge aus einem Artikel der Berliner Zeitung vom 04.10.2025 mit der Überschrift „So werden Berliner Kliniken auf Krieg gegen Russland vorbereitet“.
„Die Vorbereitungen für einen Krieg gegen Russland laufen auf Hochtouren. Die Bundesregierung will das Land so schnell wie möglich kriegstüchtig machen und investiert dafür Rekordsummen in die Aufrüstung der Bundeswehr. Auch eine Rückkehr der Wehrpflicht dürfte bald bevorstehen.
Parallel dazu wird die sogenannte Zivile Verteidigung vorangetrieben. Im Zentrum stehen die Krankenhäuser, die im Kriegsfall nach Angaben der Bundeswehr täglich bis zu 1000 verwundete Soldaten versorgen müssten. Allein Berlin hätte die Aufgabe, 100 verletzte Soldaten pro Tag aufzunehmen.
Um dies sicherzustellen, hat die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege gemeinsam mit den großen Kliniken der Hauptstadt ein streng vertrauliches Arbeitspapier erarbeitet, den, Rahmenplan Zivile Verteidigung Krankenhäuser Berlin‘. Das Dokument umfasst 26 Seiten und steckt voller brisanter Szenarien und Anordnungen, die bislang nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind. Eingeleitet wird es u. a. mit den Worten des Kommandeurs der Heimatschutzdivision der Bundeswehr, Generalmajor Andreas Henne: ,Die gesamte Gesellschaft sollte verteidigungswillig sein. Wir sind nicht mehr im Frieden, aber auch noch nicht im Krieg.‘
Besonders heikel ist eine Passage, die den Behörden weitreichende Befugnisse zuschreibt. Demnach könnten die nach Landesrecht zuständigen Behörden nach Freigabe durch die Bundesregierung anordnen, dass Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung ihre Leistungsfähigkeit auf die Anforderungen im Verteidigungsfall umstellen, erweitern und ihre Einsatzbereitschaft herstellen. Doch gleichzeitig heißt es im Plan: Die Finanzierung entsprechender Maßnahmen betrifft eine wesentliche Fragestellung, die bislang noch nicht abschließend beantwortet werden kann.‘
Der Rahmenplan beschreibt derweil sechs Basisszenarien, von, erhöhtem Patientenaufkommen und funktionsfähiger Infrastruktur‘ bis zu, kriegerische Auseinandersetzung in Berlin‘ und, vollständige Evakuierung des betroffenen Gebietes (Berlin)‘ Im Ernstfall müsse der Klinikbetrieb radikal umgebaut werden: Bei Eintritt des Falles der Zivilen Verteidigung ist damit zu rechnen, dass der Klinikbetrieb grundlegend umstrukturiert und angepasst werden muss. (…) Die Berliner Plankrankenhäuser müssen in der Lage sein, von Individualmedizin auf Katastrophenmedizin umzustellen.‘ Es gehe um die Vorbereitung der Krankenhäuser auf Krieg. Im Ernstfall müssten Kapazitäten für Verwundete geschaffen werden. Dafür sieht der Rahmenplan vor, dass bereits aufgenommene Patienten, nach Möglichkeit entlassen bzw. in eine Klinik oder Station mit niederer Versorgungsstufe verlegt werden.‘ Dazu heißt es weiter: Es ist zu prüfen, ob diese Krankenhäuser (niederer Versorgungsgrad) nach Möglichkeit Patientinnen/Patienten entlassen und Betten für die Rehabilitation verletzter Streitkräfte vorhalten können.‘ Besonders brisant ist vor diesem Hintergrund die Passage zur Triage: Die medizinische Triagierung im Krankenhaus (…) betrifft die Triagierung bzw. die Priorisierung von militärischem Personal im Verhältnis zu Zivilisten.‘ Die Zivilbevölkerung kommt somit ganz zum Schluss.
Die Autoren des Plans kommen zu dem Schluss, dass die Verfügbarkeit von ausreichend qualifiziertem Personal eine der wesentlichen Herausforderungen ist. Wie knapp die Personaldecke im Kriegsfall sein dürfte, lassen die folgenden Formulierungen erkennen: Es ist zu prüfen, ob Nebenerwerbserlaubnisse bzw. genehmigte Nebentätigkeiten der Beschäftigten in den Krankenhäusern (…) zurücknehmen bzw. zu widerrufen sind, um einen reibungslosen Dienstbetrieb (…) sicherzustellen.‘ Angesichts des Personalnotstands mute es weltfremd an, sich auf Herausforderungen der medizinischen Personalversorgung im Kriegsfall vorbereiten zu wollen.
Die Medizinerin Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende des Vereins „Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs“ (IPPNW), mahnt: „Prävention bedeutet nicht, sich auf den Krieg vorzubereiten, Prävention bedeutet, Krieg zu verhindern.“