Die aktuelle Weltpolitik ist vor allem gekennzeichnet von:
Errichtung politischer Feindbilder im Spannungsfeld USA/NATO gegen Russland/China
Abbruch der politisch-diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen und Gespräche mit Russland und im zunehmenden Maße auch gegenüber China
Verschärfung militärischer Konflikte vor allem in der Ukraine und dem Nahen Osten
massive Aufrüstung der NATO-Staaten
Erweiterung der NATO-Stützpunkte in Richtung Russland und China
Ideologische Beeinflussung und Vorbereitung der Bevölkerung für eine aktive Kriegszustimmung gegenüber dem neuerlichen Hauptfeind Russland
Welthandelskrieg der USA gegenüber „Feind und Freund“
vollständige Unterwerfung der westlichen Staaten unter die Regie der USA
Unberechenbarkeit der amerikanischen „Deal-Politik“.
Diese Entwicklungen lassen für die weitere Zukunft eine Kriegsgefahr immer deutlicher als wahrscheinlich erscheinen und dieser Krieg könnte nicht nur konventionell sondern auch nuklear auf den Schlachtfelder Europas, vor allem auch Deutschlands, geführt werden.
Seit 1990 wurden jegliche Versuche, die Sicherheitsinteressen Russland in der Außen- und Militärpolitik zu berücksichtigen, ignoriert. Von Russland vorgeschlagene neue Sicherheitspartnerschaften wurden brüsk, aus einer Sicht der eigenen Stärke des Westens, zurück gewiesen. Die NATO erweiterte ihre Einflusssphären und Aufmarschgebiete in Richtung Russland massiv. Politische Putschversuche in der Ukraine, Weißrussland und Russland wurden durch westliche Einflussnahme (politisch, finanziell und geheimdienstlich) direkt geschürt und unterstützt, teilweise erfolgreich wie in der Ukraine, wo man auch faschistische Bandera-Kreise bewusst unterstützte und weiter unterstützt.
Das kapitalistisch-imperiale Russland reagierte auf den stetigen Vormarsch der NATO mit der Besetzung der Krim 2014 und dem Ukrainekrieg der seit 2022 andauert. Ich hatte bereits am 23.02.2022, einen Tag nach dem Beginn des Krieges, in einer öffentlich Erklärung (siehe Rehfelder Scheinwerfer) diesen Krieg als völkerrechtswidrig und unangemessen bewertet und auf die Dringlichkeit politisch-diplomatischer Lösungen zur sofortigen Beendigung des Krieges verwiesen. Seit über 3 Jahren wird vom Westen nicht ernsthaft nach diplomatischen Lösungen gesucht. Im Gegenteil dieser Stellvertreterkrieg wird durch die USA mit der Gefolgschaft der anderen NATO-Staaten, mit dem Ziel der Besiegung Russlands, weiter geschürt. Man sollte sich dabei immer wieder die Frage stellen „Wem nützt die dauerhafte Fortsetzung des Ukrainekrieges“ und die Antwort liegt auf der Hand - es nützt einzig und allein den US-amerikanischen Militär-, Wirtschafts- und Finanzinteressen und die Zeche dafür zahlen die Ukraine, Russland und Europa.
Deutschland und die EU nehmen heute außenpolitisch besorgniserregende Positionen ein, die gekennzeichnet sind von:
politische Vasallentreue gegenüber der USA, da man sie als einzigen, alternativlosen militärischen Sicherheitsgaranten ansieht
wirtschaftliche Unterwerfung gegenüber amerikanischen Interessen zu Lasten der eigenen Wirtschaft
politisch-diplomatische, wirtschaftliche und kulturelle Abnabelung von Russland
politische und militärische Unterstützung der völkerrechtswidrigen Angriffe Israels im Nahen Osten
Wirtschaftskrieg gegenüber Russland und zunehmend auch gegen China.
Das deutsche Agieren schürt weiter die Eskalation gegenüber Russland. Deutschland ist mit seinen Waffenlieferungen bereits Kriegspartei und man kann streiten, ob es bereits eine direkte oder indirekte Beteiligung ist. Mit diesem Agieren ist oder wird Deutschland natürlich auch immer mehr zur Zielscheibe von russischen Militärschlägen.
In einem russischen Strategiepapier (Titel: „Von der passiven zur aktiven Abschreckung“ von namhaften russischen Politologen; originalgetreue Übersetzung vom Verlag Welt-Trends/ Potsdam in 6/2025), welches 2024 für den russischen Präsidenten erarbeitet wurde, wird eine neue Sicherheits- und Geopolitik Russlands für die nächsten Jahre gezeichnet, die mehr als besorgnisregend einzuschätzen ist und hoffentlich niemals zum Tragen kommt. Dabei geht es im Kern um die Strategie, dass Russland von der passiven nunmehr zur aktiven politischen und militärischen Abschreckung/Zügelung gegenüber dem Westen, vor allem auch unter bewusster Einbeziehung nuklearer Waffen, übergehen sollte.
Die Selbsteinschätzung und der nachweisbare Fakt, dass Russland gegenüber der USA/NATO eine deutliche Unterlegenheit bei konventionellen Waffensystemen hat, führt zum Ideologieansatz, dass bei einem direkten oder bevorstehenden militärischen Angriff auf Russland nur die Möglichkeit besteht, mit dem Einsatz von Nuklearwaffen zu drohen und sie dann zur Verteidigung auch in den angreifenden Ländern einzusetzen.
In dem Papier werden u.a. ausgeführt:
Der USA/NATO-Strategie der weiteren Kriegsbeschäftigung Russlands in der Ukraine und anderen Fronten sowie der Fortsetzung der konventionellen Hochrüstung zum Schaden der russischen Wirtschaft und zur Destabilisierung des politischen Systems soll durch Russland die nukleare Abschreckung entgegengesetzt werden.
Russland beansprucht in allen angrenzenden Landesgrenzen Schutzkorridore zu USA/NATO- Militärstützpunkte, vor allem zu militärischen Nuklearstützpunkten. Dabei sind die Sicherheitskorridore in Richtung Westen und Osten besonders von Bedeutung.
Eine Stationierung von Nuklearwaffen in der Ukraine, dem Baltikum, Rumänien, Polen und Deutschland wird als direkte Gefährdung Russland angesehen und würde diese Länder zu Zielscheiben nukleare Schläge durch Russland werden lassen.
Als kriegerische Handlungen werden auch mögliche Belagerungen von Kaliningrad, Petersburg oder die Blockade der Ostsee angesehen.
Sollte Deutschland – die Quelle zweier Weltkriege war - zu Kernwaffen greifen, so wird es Hauptziel von Nuklearschlägen bis hin zur Vernichtung.
Russland sollte sich bei ihrer neuen Geopolitik vor allem auf eine Zusammenarbeit mit den Nuklearmächten China und Indien stützen, die ihrerseits auch Gegner von USA/NATO-Interessen sind und eigenständige Ziele verfolgen.
Die o.g. russischen Strategieüberlegungen, sind aus meiner Sicht nicht Hirngespinste, sondern durchaus nachvollziehbare und ernst zu nehmende Theorien. Ich halte diese Strategie für brandgefährlich und lehne solche Überlegungen ab.
Diese russischen Strategieansichten sollten jedoch die gesamte Weltbevölkerung zum Nachdenken und Wachrütteln bewegen.
Es geht jetzt und heute um die Verhinderung eines nuklearen Weltkrieges. Deshalb muss mit Russland wieder ernsthaft geredet und verhandelt werden, ihre Sicherheitsinteressen sind ernst zu nehmen und es müssen für die Zukunft tragfähige Kompromisse im Sinne der Friedenssicherung gefunden werden. Hierzu gehört auch, dass durch wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit wieder ein friedensförderndes Klima hergestellt wird.
Carsten Kopprasch
Bild zur Meldung: Deutschlands Weg in einen Krieg mit Vasallentreue und alten Feindbildern?