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„Tag der Opfer des Faschismus“

13.​09.​2026

Am 13. September 2026 hatte der Kreisverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) traditionell zum Gedenken an die Opfer des Faschismus nach Strausberg eingeladen. Die Veranstaltung am Denkmal in der Wriezener Straße war in diesem Jahr den antifaschistischen Kämpfern im spanischen Bürgerkrieg gewidmet, der seinen Beginn im Putsch rechter Militärs gegen die demokratisch gewählte Regierung der Volksfront hatte.

Die teilnehmenden Mitglieder der Geschichtswerkstatt Rehfelde e.V. nahmen das Gedenken zum Anlass, sich des Antifaschisten und ersten Bürgermeisters von Werder nach dem Zweiten Weltkrieg zu erinnern. 

Georg Ritsche, am 21. Dezember 1889 in Eggersdorf geboren, hatte das Amt am 3. Mai 1945 von der Roten Armee übertragen bekommen. Mit großem Engagement bekleidete er es bis zum 25. August 1949. Die Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus war für ihn auch eine persönliche Befreiung und zugleich Verpflichtung mitzuhelfen, ein neues Land frei von Nazis aufzubauen. Was aber bewog den Maurerpolier, diesen Auftrag anzunehmen? Georg Ritsche hatte den Terror der Faschisten, die am 30. Januar 1933 von Vertretern des deutschen Großkapitals an die Macht gehievt worden waren, am eigenen Leibe ertragen müssen. Es waren knapp zwei Monate vergangen, als der 44-jährige Kommunist und vormalige Kreistagsabgeordnete seiner Partei am 29. März 1933 in das Konzentrationslager Oranienburg, das erste KZ in Preußen, „eingeliefert“ wurde, so der Eintrag in den überlieferten Unterlagen seiner Peiniger. Das „frühe“ Konzentrationslager war am 21. März 1933, an dem Tag, als Reichspräsident Hindenburg in der Potsdamer Garnisonskirche Hitler die Hand reichte, mitten in der Stadt Oranienburg, unweit des Schlosses, eingerichtet worden. Angehörige des Sturmbanns III der SA-Standarte 208 sperrten die Häftlinge in den Keller einer ehemaligen Brauerei in der Berliner Straße. Das Fabrikgelände hatte schon zuvor die Niederbarnimer SA nutzen können. Von März 1933 bis zur Auflösung des Lagers Oranienburg im Juli 1934 durchlitten ca. 3 000 Regimegegner, das waren Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Redakteure von sozialdemokratischen Provinzzeitschriften, Angehörige des Rundfunks, Intellektuelle, Persönlichkeiten aus Orten der Umgebung sowie einfache Arbeiter, die Torturen während der Verhöre, die brutalen Folterungen und die Schwerstarbeit. Georg Ritsche gehörte zu den 45 000 Gefangenen, die reichsweit zwischen März und April 1933 in fast 70 neu eingerichteten Konzentrationslagern und über 30 „Schutzhaftabteilungen“ in Justiz- und Polizeigefängnissen ohne Rechtsgrundlage eingeliefert wurden. Diese frühen Orte des Terrors dienten den Faschisten als Instrument der Festigung ihrer politischen Macht und der Etablierung der Diktatur 1933/34. Georg Ritsches Entlassung aus dem KZ Oranienburg erfolgte laut Aufzeichnungen der SA am 1. Mai 1933. 

Ausblick: Nach Auflösung der „frühen“ Konzentrationslager errichtete der faschistische Staat ab 1936 ein KZ-System unter Hoheit der SS, zu dem das im Sommer 1936 eröffnete KZ Sachsenhausen, in der Nähe der Reichshauptstadt Berlin, am Rande Oranienburgs, zählte, ein „Musterlager“ für über 22 der bis zum Ende des Krieges existierenden Orte der ungeheuerlichen Verbrechen der deutschen Faschisten.

Heute droht eine staatliche Institution, das Berliner Finanzamt, der VVN-BdA, der Organisation, die einen konsequenten Kampf gegen das Vergessen führt, die Gemeinnützigkeit abzuerkennen und somit die wirtschaftliche Basis zu entziehen. Begründet wird dieser Schritt mit der aktuellen Kampagne zum AfD-Verbot sowie den damit im Zusammenhang stehenden Aktivitäten der VVN-BdA.

Wie Recht hatte doch Johann Wolfgang von Goethe, als er in seinem „Kophtischen Lied“ schrieb: „Lerne zeitig klüger sein!“

 

Erika und Gerhard Schwarz

Geschichtswerkstatt Rehfelde e.V.

 

Literaturhinweis:

Erika Schwarz/Gerhard Schwarz: Auf dem Weg nach Berlin. Kriegstagebücher der Roten Armee berichten. Tagesetappe Rehfelde, Werder, Zinndorf. Hentrich-Verlag 2021. S. 136.

 

Bild zur Meldung: „Tag der Opfer des Faschismus“

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